Wie hätte ein Amateurfotograf vor 100 Jahren die Orte gesehen?

Ich habe bereits vor 25 Jahren begonnen, mit historischen Kameras zu arbeiten. Aus dieser Erfahrung weiß ich, dass die früher verwendeten Objektive einen besonderen “Look” erzeugen. Dieser ist meistens gekennzeichnet von einer durchgehenden Schärfe, geringen Kontrasten, einer weichen Bildanmutung und durch die großen Filmformate auch von einer erstaunlichen Räumlichkeit.

Ich habe mir eine Kamera gekauft, die um die Jahrundertwende gebaut worden sein muss. Es ist eine Reisekamera, ganz aus Holz und Messing, das Objektiv wurde von einer Londoner Manufaktur gefertigt. Das Schöne: passend zur Kamera gab es zwei Filmkassetten, die, wenn sie beide geladen sind, vier Aufnahmen ermöglichen. Ich fotografiere mit Blende 22, denn die Linsen haben deutliche Putzspuren. Die Negative mit den Maßen 13 x 18 cm haben wie zu erwarten einen erstaunlichen Detailreichtum. Und die Tatsache, dass ich Planfilm statt der eigentlich vorgesehenen Glasplatten verwende, wirkt sich kaum aus.

Die Idee ist, bemerkenswerte Orte dieser Reise parallel mit der historischen Kamera zu fotografieren. Von den Negativen werde ich Kontaktabzüge herstellen, und zwar Cyanotypien. Cyanotypie war vor 100 Jahren ein von Amatueren bevorzugtes, preiswertes Verfahren, Fotopositive herzustellen. Einige Resultate (zunächst  abfotografierte und per Photoshop “umgekehrte” Digitalbilder der Negative) zeige ich untenstehend. Aber auch Cyanotypien werde ich hier wiedergeben. Die Chemikalien sind bereits auf dem Weg…

Soldatenfriedhof bei Brzeziny

Soldatenfriedhof bei Brzeziny

eric pawlitzky sw-6904

In diesem Haus befand sich die Apotheke eines jüdischen Inhabers. Diese wurde von den Deutschen zeitweilig als Hauptquartier benutzt.

 

 

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