Tarnow Gorlice Beskidy

Im Rahmen meiner Rreise zu Orten des 1. Weltkrieges in Polen habe ich in einem Gebiet recherchiert, in dem 1915 die Schlacht bei Tarnow und Gorlice stattgefunden hat. Tarnow liegt in Südpolen, etwa 70 km östlich Krakow.  Gorlice liegt südlich Tarnow im Beskidenvorland. Bis zum Ausbruch des 1. Welkrieges gehörte diese Landschaft zu Österreich-Ungarn und war wirtschaftlich schlecht entwickelt. Die zuvor von den Russen besetzte Region wurde von österreichisch-ungarischen Truppen, unterstützt von deutschen Einheiten, im Früjahr 1915 zurückerobert. Polnische Soldaten kämpften auf beiden Seiten der Front.

Eric Pawlitzky WK1-2

Der Dunjajez bei Glow nördlich Tarnow

Bei Glow – Grudek hatte bisher völlige Ruhe geherrscht; der Flussabschnitt war infolgedessen hier beiderseits nur schwach besetzt gewesen. Ganz unbemerkt vom Feinde ließ der Divisionskommandeur, Generalleutnant von Besser, die Vorbereitungen für einen Flussübergang seines Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 219 treffen. Während schon am 2.5. die russischen Stellungen und Dunajec-Brücken weiter südlich zur Ablenkung starkes Feuer deutscher Batterien genommen wurden und dieses auch die Nacht anhielt, setzt an der beabsichtigten Übergangsstelle erst bald nach Mitternacht schlagartig starkes, zusammengefasstes Artilleriefeuer ein. Gleichzeitig wurde der Uferwechsel begonnen. Bereits um 3.30 Uhr vormittags waren zwei Bataillone des Regimentes übergesetzt mit einem Verluste von 4 Toten und 15 Verwundeten. Sofort wurde die genommene russische Stellung brückenkopfartig ausgebaut.

S. 59

Eric Pawlitzky-4

Höhe 342 bei Lowzcowek südlich Tarnow

Hier hatte ein polnisches Regiment in der Österreichich-ungarischen ArmeeeimDezember 1915 vier Tage lang eine Stellung gegen russische Angriffe verteidigt. Dann ging die Munition aus. Das Ganze trug sich um die Weihnachtsfeiertage zu. Überliefert ist, dass hier polnische Soldaten beiderseits der Front polnische Weihnachtslieder sangen. Eine bittere Episode in der Geschichte des polnischen Volkes, die auf der Gedenktafel an dem nahegelegenen Soldatenfriedhof leider keine Erwähnung findet. Beschrieben wird dort der besonders heldenhafte Einsatz polnischer Soldaten unter österreichischer Flagge.

Eric Pawlitzky-4

Höhe 514 westlich von Dziele

Jeder einzelne Mann, der Cieklin oder Dziele in westlicher Richtung verließ, konnte beobachtet, jede Bewegung von der glacisartig abfallenden Höhe 514 unter beobachtetes Feuer genommen werden. So konnte man von dem Gefechtsstande der Division aus unter anderem sehen, wie ein russischer Offizier bei der Entwicklung des Angriffes aus Dziele heraus mit der Pistole von hinten auf die schon stark auseinanderbröckelnde Schützenlinie schoß, um seine Leute zum Vorwärtsgehen zu zwingen. Das Schicksal ereilte ihn bald; eine schwere Granate schlug neben ihm ein. Als sich der Rauch verzog, war nichts mehr von ihm zu bemerken.

Eric Pawlitzky-6

Blich auf das Ropatal von einer Höhe westlich Bierz

Da sieht man von dem Ropatale her deutsche Schützen die kahlen Hänge hinaufkletter. Trotz feindlichen Artillerie- Infanterie- und Maschinengewehrfeuers bleiben sie in ununterbrochener Bewegung.Sie scheint nichts aufhalten zu können; bereits nähern sie sich dem Gipfel. Doch was ist das? Russische Schwarmlinien steigen hinter unseren Braven vom Ropa-Tale aus den Berghang hinan. Die Lage scheint kritisch zu werden! Unsere mühsam emporklimmende Infanterie scheint verloren! Das Herz scheint einem stillzustehen. Ein russischer Gegenangriff mit starken Massen! Und davon ahnt unsere Infanterie gar nichts. Sie ist inzwischen in einem hitzigen, erbitterten Nahkampf mit den zähen Verteidigern auf der Kuppe des Berges verstrickt. Aber während russische Geschütze in den Menschenknäuel auf dem Gipfel schießen und ihre eigenen Truppen starke Verluste beibringen, hat die deutsche Artillerie ihr Feuer auf den russischen Gegenangriff zusammengefasst. Schrappnellsalve auf Schrappnellsalve saust in die Russen hinein. In dem deckungslosen Gelände sind die Verluste schwer.

Eric Pawlitzky-7

Auf dem Plateau über dem Ropatal

Eric Pawlitzky-3

Nebel über dem Schlachtfeld vor Dierz

Eric Pawlitzky-8

Beim XXXXI. Reserve-Korps gipfelte der Tag in dem Ringen um den Wilczak-Berg. Er deckte die Stadt Biecz mit ihrem Bahnhofe und den Ropa-Brücken und war durch fünf übereinanderliegende Schützengrabenlinien befestigt. Über 100 m überragt der Gipfel das Ropa-Tal. Generalmajor Fabarius hatte den rechten Flügel seiner Division in Höhe von Zagrzany auf das rechte Ropa-Ufer übergehen lassen. Das Reserveregiment 271 ging auf dem linken Ufer gegen den Berg vor, vermochte jedoch nicht wesentlich vorwärts zu kommen, trotzdem der Gipfel des Berges dauernd unter schwerstem Artilleriefeuer lag.

 


Eric Pawlitzky-10

Blick auf die Hügel südlich Gorlice bei Ropica Ruska

Punkt 10 Uhr kletterten wir die Höhe hinauf. Von rechts über die Mulde und von oben vom Jägerhäusl bekamen wir ein übles Flankenfeuer. Immer mehr schoben wir uns kriechend und eingrabend vorwärts. Am stärksten war das Feuer von rechts seitwärts. Aber auch von vorne schossen sie noch, also waren immer noch Leute im Graben. Mit Schutzschilden versehen kletterten unsere Leute bis zum Drahthindernis vor. Bis dahin hatte unsere Artillerie, mit einem Feuerschutz dicht vor uns her, noch das Vorgehen begleitet. Am Drahthindernis, das unversehrt war, stockte das Vorgehen. Ich hatte große Sorge, wie ich da durchkommen könnte. …. Ich hinüber über das Drahthindernis. Die Leute mir nach! Der eine stolperte, der andere blieb hängen, aber bald waren wir größtenteils im Graben. …. Hier im Graben sah es schrecklich aus. Tote und scheußlich verstümmelte Russen lagen darin und dahinter. Verwundete, Gewehre, Tausende von Patronen, Kochgeschirre und allerlei Materialien lagen auf dem Boden herum. Die Artillerie und die Minenwerfer hatten schreckliche Arbeit geleistet.

S. 39 Das Bayerische Infanterie-Regiment Nr. 22 bei der Einnahme einer Höhe südlich des Zamczysko-Berges. Etwa 1km südlich Höhe 469 gelegen. Bei Ropica Ruska, südöstlich Gorlice

Gorlice war damals hefitg umkämft. In der Umgebung der Stadt gibt es zahlreiche Ölquellen, die zum Teil bis heute ausgebeutet werden. Während der Kämpfe gerieten zahlreiche Ölquellen in Brand.

Eric Pawlitzky-8

alter Ölförderturm südwestlich Gorlice, im Vordergrund ein Seilsystem, mit dem gleichzeitig mehrere Förderpumpen angetrieben wurden.

Hinterlasse eine Antwort