Aufruf

Ich möchte Menschen finden, die sich daran erinnern, vor knapp 100 Jahren in Polen Angehörige verloren zu haben. Zivilisten, Militärs – gestorben ist zuletzt der Mensch.

Aber kaum jemand weiß davon. 300 E-Mails ohne Ergebnis. Facebook ein fake.

Ein Freund erzählt: mein Urgroßvater stieg aus dem Zug. „Wo sind sie denn nun, die Russen?“ Einen Moment später war er tot.

Wer sind die Nachfahren der anderen Toten? Von 13 Millionen deutschen Soldaten blieb mehr als jeder zehnte im Feld. Bei den Russen waren es noch mehr. Die großen Totmacher waren Artillerie, Seuchen und Hunger. Mann gegen Mann? Das war die Ausnahme.

Ist man ohne Grabstein verloren in der Erinnerung der Überlebenden?

Oskar Neukirch in Polen 1915

Mein Urgroßvater Oskar Neukirch als Soldat am 15.06.1915 in Konopka (Polen, Masuren). Obwohl er zeitlebens nur als Hilfsarbeiter tätig war, hatte er einen beachtlichen politischen Sachverstand. Als Hitlerdeutschland 1941 die Sowjetunion überfiel, sage er, offenbar geprägt durch seine Erfahrungen aus dem 1. Weltkrieg, den baldigen Untergang Nazideutschlands voraus – so die Überlieferung meiner Großmutter.

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