Archiv für den Monat: Juli 2013

Quellen und Orte

 Quelle

Schlachten des Weltkrieges

in Einzeldarstellungen bearbeitet und herausgegeben im Auftrag des Reichsarchivs, Band 19 Tannenberg, Verfasser Oberstleutnant a.D. Theobald v. Schäfer, Oberarchivrat beim Reichsarchiv, Oldenburg/Berlin 1927, Druck und Verlag von Gerhard Stalling

 

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Felder westlich Usdau

Die russische Stellung folgte nördlich Groß Tauersee im allgemeinen dem Westabfall des Höhenrückens auf dem der große Ort Usdau liegt. Zahlreiche Dämme und Einschnitte der Bahnlinie und Usdau selbst bildeten Stützpunkte der Verteidigung, deren Nordflügel an der Windmühlenhöhe 1 km nördlich des Ortes lag. Gegen dieses, das Vorgelände um durchschnittlich 30 m überhöhende Stellung musste sich der Angreifer von Westen über deckungsloses Feld vorarbeiten, während von Norden welliges Gelände günstigere Annäherungsmöglichkeiten bot.“ S. 75

Usdau = Uzdowo

Usdau Usawa alter Bahnhof

Der alte Bahnhof von Usdau

Usdau

Am Ortsausgang von Usdau

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Straße von Tauersee nach Usdau

Die 2./ Drg.10 unter Rittm. Brix hatte von einer Höhe östlich des Ortes (Skottau) russische Infanterie und Artillerie unter Feuer genommen, die von Januschkau auf Neidenburg marschierte. „Die Russen unternahmen zuerst gar nichts, so daß wir – wie im Frieden in den wirren Haufen auf etwa 1000 m feuern konnten“. Bald aber machten die Dragoner den Musketieren vom Deutsch Ordens Rgt. Platz. Die schossen eine russische Batterie zusammen, dann ging es weiter; der Feind schien sich ergeben zu wollen. Man war schon fast 2 km ostwärts über Stottau hinaus, da griff neue russische Artillerie ein…“ S. 85

Skottau = Szkotowo

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Blick zur Straße von Januschkau nach Neidenburg vom Hügel östlich Skottau

Todmüde lagen die Verteidiger…in ihren Gräben und den leicht gebauten Unterständen. Erst allmählich erwachten sie, als das russische Artilleriefeuer gegen 7° vorm. gegen den Ort und das Hintergelände an Heftigkeit zunahm. Schlag auf Schlag fielen die Geschosse um uns nieder, ununterbrochen heulten sie durch die Luft, zersprangen mit Krachen und bewarfen uns mit Ästen und Erde. Surrend schwirrten die Sprengstücke herum … Wir lagen dicht aneinandergedrückt ganz unten in dem engen Graben, ohne einen Schutz über uns. Kein Wort wurde gesprochen. Endlich, endlich machte sich auch unsere Artillerie bemerkbar und gegen 9° gelang es ihr, das feindliche Feuer zum Schweigen zu bringen. Uns war es eine Ewigkeit erschienen, die wir in dumpfem Warten verbracht hatten…“ S. 88

Mielno = Mielno

Mühlen Mielno

Mühlen (Mielno) ehemaliges Niemandsland an der Straße nach Paulsgut, rechts befanden sich russische, links deutsche Stellungen

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Ebene hinter den detuschen Stellungen nördlich von Mielno

Weithin sichtbar beherrschte vor dem Ldw.Rgt 34 etwa 1200m westlich Klein Bössau eine ausgedehnte Kiesgrube mit ihren hochragenden Erdschüttungen das Feld wie eine mächtige Schanze. Von dort schießt der Gegner – wie sich jetzt herausstellt – aus sicherer Deckung. Von Norden versucht ihn das II. Batl. Unter Maj. von Joeden zu umfassen, nur mühsam gelingt es, die Wehrleute vorwärts zu bringen.“ S. 107

 Klein Bössau = Biesowko

Kiesgrube bei Klein Bössau

Ehemalige Kiesgrube bei Klein Bössau

Aus der Molkerei am Ortsausgang von Frögenau wurde ein Tisch herausgestellt, um die Lagekarten auszubreiten. Etwa 200m davon hatte Gen. v. Scholtz schon seit einigen Tagen seinen Gefechtsstand.“ S. 121

Frögenau = Frygnowo

Frögenau

Blick von einer Anhöhe östlich Frögenau

Der Feind scheint auf den Höhen nördlich der Maranse-Niederung zu liegen. Die 59er erreichen den Südwesteingang von Waplitz und links anschließend das Maranse-Fließ. Im heftigen feindlichen Feuer stockt der Angriff…. Teile des Regiments brechen von Westen nachher in Waplitz ein, links von ihnen stoßen andere über die Maranse-Brücke nach Norden und verschwinden im Nebel. Aber die Russen geben nicht nach. … Je mehr der Nebel schwindet, um so unerträglicher wird die Lage, um so schwerer werden die Verluste. Teile geraten ins Wanken. Es ist 5° vorbei, aber noch ist keine Hilfe zu spüren.“ S. 127

Waplitz = Waplewo

Waplitz

Die Brücke über die Maranse bei Waplitz heute

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Blick auf die Maranse-Niederung von Süden

Und nun nahm russische Artillerie von Norden her auf nahe Entfernung Adamsheide unter schnell heftiger werdendes Schrappnellfeuer, das unter Bagagen und Verwundeten eine Panik erzeugt….. Die hinterste (1. Battr), die unter Hauptmann Braun noch auf der Höhe hält, geht sofort selbständig in Stellung; die beiden anderen müssen auf schmalem Wege, von Gräben eingeengt, unter größten Schwierigkeiten im russischen Feuer kehrt machen. Ein Volltreffer schlägt in die Protze — Stangen und Mittelpferde nebst Fahrern fallen im Feuer um wie die Zinnsoldaten.“ S. 127

Adamsheide = Jadamowo

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Straße von Waplitz nach Adamsheide

Gutshaus Adamsheide

Gutshof von Adamsheide, damals Hauptverbandsplatz

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Niederungen westlich Adamsheide

Im Angriffssabschnitt der 3. Res.Div. schienen die russischen Stellungen bei dem hoch gelegenen Orte Dröbnitz besonders stark. Der zerklüftete Osthang steigt hier ziemlich steil 30-40m hoch an. Stockwerkartig übereinander lagen dort russische Gräben. … Sofort brach die Infanterie aus ihren Gräben vor und arbeitet sich durch den Drewenz-Grund an die russischen Stellungen heran….auf das am Hang sich hinaufziehende Dorf Dröbnitz und die Stellungen beiderseits davon wurde das Feuer zusammengefasst.“ S. 136 f.

Dröbnitz = Drweck

Dröbnitz

Böschungen östlich Dröbnitz

Zusammen mit dem Führer der 7. Komp. drangen wir als die ersten vom Bahnhof her in Soldau ein. … Gerade verließen die letzten Russen fluchtartig das von uns zurückeroberte Städtchen. Vor den brennenden Häusern mit verkohlten Balken und Brettern lagen gräßlich verstümmelte Leichen, Pferde und Kriegsmaterial, Geschütze und MG wirr durcheinander. Auch getötete und verwundete Einwohner fanden sich vor, darunter Frauen und Mädchen, die von den entmenschten Soldaten in nicht zu beschreibender Weise umgebracht waren. Durch ein Chaos von Rauch, Qualm und Schrapnellfeuer stießen wir dann bis zu dem gut erhaltenen Ordensschloss vor, wo sich die zurückgebliebenen Einwohner zusammenfanden, noch ganz verstört von den furchtbaren Eindrücken des Kampfes.“ S. 151

Soldau = Dzialdowo

Bahnlinie bei Soldau

Bahnstrecke nördlich Soldau

Ordensschloss Soldau

Ordensschloss in Soldau

Quelle

Schlachtfelder in Ostpreußen“ bearbeitet von aktiven und ehemaligen Offizieren im Wehrkreis I herausgegeben vom Wehrkreiskommando I 4. Auflage, Verlag Königsberger Allgemeine Zeitung Volz & Co. KG, Königsberg, 1932

In der Dämmerung will ein gefangener russischer Flieger am Bahnhof entweichen. Beim Start schießen ihn Grenadiere vom Rgt. 3 aus der Marschkolonne ab.“ S. 78

Schlacht bei Tannenberg, 28. August 1914

Neidenburg = Nidnica

Bahnhof Neidenburg

Bahnhof Neidenburg

Zwischen Siewken und Soltmaner See haben sich die Russen in zwei hintereinanderliegenden Stellungen verschanzt. … Bereits in den frühen Morgenstunden hat Gren. Rgt. 4 zwei feindliche Kompanien im Walde 1,2 km nordwestlich Wildminner See zersprengt und sich zusammen mit 1.44 am Waldrand zwei Kilometer südlich Siewken zum Angriff bereitgestellt. Es ist ein heißer Kampf, der fast den ganzen Tag um die ausgebauten Höhen südlich Siewken geführt werden muss.“ S. 111

Sommerschlacht in Masuren, 9. September 1914

Siewken = Zywki

 Eric Pawlitzky-028687Blick von dem Höhenzug östlich Siewken

Von den ostwärts des Dorfes terrassenförmig aufsteigenden Höhen überschüttet der Russe die Deutschen mit wütendem Feuer. Die feindliche Artillerie feuert aus gut verdeckten Stellungen ostwärts und südostwärts Höhe 158. Trotz guter eigener Artilleriewirkung kommt der Angriff in der Front nicht vorwärts. Auf dem rechten Flügel durchschreitet das Inf.Regt. v. Borke /4. Pomm.) Nr. 21 hart nördlich des Krugliner Sees die morastigen Wiesen im Schrapnellregen und stürmt die Höhe 164.“ S. 113

Sommerschlacht in Masuren, 9. September 1914

Kruglanken = Kruklanki

 KruglankenBlick vom Bahndamm auf Kruglanken

Eric Pawlitzky-028673Runie der Eisenbahnbrücke bei Kruglanken, 1915 und 1945 nach dem Wiederaufbau erneut gesprengt

Eric Pawlitzky-028669Sumpfniederung westlich Kruglanken

 

Im Ermland und in den Masuren – Tannenberg

Während meiner Reise durch die Masuren lese ich Alexander Solshenizyn „August 1914“ aus der Romanreihe „Das rote Rad“. Solshenizyn beschreibt erstaunlich detailliert die Ereignisse der Schlacht bei Tannenberg. Vergleichbar mit Tolstoij (und ebenso anstrengend zu lesen) schildert er auf fast 1.000 Seiten, was sich in den wenigen Tagen zutrug, nebst zahlreichen Beschreibungen zu den politischen Hintergründen im damaligen Russland und – besonders bemerkenswert – das Verhältnis von Wilhelm II. Und Zar Nikoai I. 

Beide Kaiser hatten über mehr als ein Jahrzehnt eine innige persönliche Freundschaft gepflegt. Die Vettern sind dabei sicherlich nicht immerzu aufrichtig und uneigennützig vorgegangen. Aber glaubt man Solshenizyn, so konnten sich die Herrscher vertraulich austauschen, ohne auf politische und höfische Folgen ihrer Gespräche in jeder Minute achten zu müssen. Nikolai war der eher gutmütige, Wilhelm der machtsüchtige in dieser Konstellation einsamer Herrscher.

Um so erstaunlicher ist es, dass in den entscheidenden Tagen vor dem Ausbruch des Krieges, diese vermeintliche Freundschaft nichts verhindern konnte. Nikolaus musste feststellen, dass er am Gängelband seiner Ministerialbürokratie hing, Wilhelm befand sich im Sog von Überheblichkeit, Militarismus und eigener Naivität.

Gewiss sind die Ursachen der Krieges viel komplexer. Aber die Unfähigkeit dieser „Manager“ erinnert schwer an den Ausbruch der Finanzkrise im Jahre 2008 und ihrer dilletantischen „Bewältigung“ bis heute.

Nachstehend einige Zitate aus dem Werk Solshenizyns und Fotografien der beschriebenen Orte.

An der nächsten Kurve der Eisenbahnlinie, dort wo sie scharf nach hinten, Richtung Soldau, abbog, stießen sie auf die Mörserabteilung des Korps…Sie hatten hier, an den geschützten Hängen, einen großen Munitionsvorrat gestapelt, immer wurde neue angefahren, aber geschossen wurde wenig: die Befehlsgewalt über diese Abteilung hatte der Chef der Korpsartillerie Masalski, der nirgends zu finden war und sie hatten keine klare Aufgabe, wer und wie zu unterstützen sei.“ Solshenizyn S. 270

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Hier die inzwischen still gelegte Strecke von Soldau nach Usdau.

Das Regiment stand wahrscheinlich vor der Vernichtung, und dieses jeden Soldaten treffende Todesurteil lastete auf dem Gewissen des Regimentskommandeurs, ohne jedoch die Klarheit seiner Entscheidungen zu beeinträchtigen, wo eine Verteidigungslinie verlaufen, wo ein Hinterhalt für Bajonettattacken gelegt werden musste, wie sie sich möglichst teuer verkaufen, und möglichst viel Zeit gewinnen konnten.

Die Linie fand Kabanow bei Darethen, wo die Anhöhen günstig verliefen und der eine Flügel an einen großen, der andere an eine Kette kleinerer Seen stieß, Dort hatten die Soldaten Stellung bezogen und sie den ganzen sonnigen Nachmittag gehalten, bis in den hellen Abend hinein. Dort gingen ihnen die Patronen aus, dort gingen sie dreimal mit Bajonett zum Gegenangriff vor, dort ist, im Alter von dreiundfünfzig Jahren, Oberst Kabanow gefallen und in der Kompanie von zwanzig Soldaten kaum einer am Leben geblieben. …. Was werden dies Todgeweihten an diesem Tag gedacht haben, angesichts des blauen fremden Himmels, der fremden Seen und fremden Wälder?“ S, 394

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Blick auf Darethen von den Hügeln südlich des Dorfes.